5 Irrtümer der Selbstfindung

 

Zuerst muss ich mich selbst finden, dann kann ich mich auf andere einlassen. Stimmt das?

Zuerst muss ich mich selbst finden, bevor ich meinen Partner verstehen kann. Wirklich?

Zuerst muss ich mich selbst finden, dann kann ich zufrieden sein.

Ehrlich?

Wie oft hast du das schon gehört und gelesen: Liebe dich selbst, vertrau dir selbst, heile dich selbst... dann kannst du etwas bewegen!

 

Lies hier, was damit gemeint ist und was nicht.

 


1. Erst wenn ich mich selbst gefunden habe, bin ich spirituell.

 

Wer bist du, wenn du dich nicht selbst gefunden hast? Natürlich bist du auch dann spirituell! Warum? Weil wir alle spirituelle Wesen sind… ja, jeder von uns, immer.  Ganz egal ob dir das bewusst ist oder nicht, auch du bist spirituell = geistig. Spiritualität bedeutet nichts anderes als Geistigkeit.

 

Einen Geist, also einen nicht physischen Teil, haben wir neben unserem physischen Körper doch alle: Gefühle, Gedanken, Intuition, Wissen, Liebe, Selbstheilungskräfte, Wahrnehmung, Bewusstsein... Das alles kann man nicht anfassen, es sind nicht physische Anteile von dir. Wobei noch zu sagen wäre, dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile.

 

Das bist du, bereits von Geburt an und ganz ohne Selbstfindung.

2. Erst wenn ich mich selbst gefunden habe, kann ich mich auf dich einlassen.

 

Ich kann mich auch dann auf jemanden einlassen, wenn ich mich selbst nicht gefunden habe. Wenn das anders wäre, hätten wir kaum noch Liebespaare, kaum noch kollegiale Teams und auch kaum noch freundschaftliche Beziehungen. Denn um das alles zu leben, müssen wir uns auf andere einlassen. Sicher mehr oder weniger tief, aber wir müssen uns darauf einlassen.

3. Erst wenn ich mich selbst gefunden habe, bin ich okay.

 

Auch das ist nicht die Wahrheit, denn du bist immer okay. Wir alle sind okay, egal wie alt wir sind und egal, wo und wie wir gerade im Leben stehen. Drehen wir den Satz um: Wenn du dich nicht selbst gefunden hast, dann bist du nicht okay. Fühlt sich das für dich richtig und gut an?

4. Erst wenn ich mich selbst gefunden habe, kann ich glücklich sein.

 

Glaubst du, dass sich kleine Kinder selbst gefunden haben? Oder Liebespaare? Oder jemand, der gerade eine schwere Prüfung bestanden hat? Oder der Langzeitarbeitslose, der endlich einen Job bekommt? Glücklich zu sein bedeutet, ich fühle mich rundum wohl. Glücklich sein ist also ein Gefühlszustand. Auch Menschen, die noch nicht bewusst genug sind, um sich darüber im Klaren zu sein, wer sie wirklich sind, erleben Glückszustände, ganz klar oder?

5. Erst wenn ich mich selbst gefunden habe, bin ich liebenswert.

 

Inzwischen ist sicher klar geworden, dass auch diese Aussage nicht wahr sein kann. Denn jeder von uns ist liebenswert, egal ob mit oder ohne Selbstfindung.

 

An dieser Stelle denkst du vielleicht, was ist mit den Kriminellen? Sind die auch liebenswert?

 

Meiner Ansicht nach, ja. Jeder Mensch ist es wert, geliebt zu werden, weil wir Liebe sind. Nur leider denken viele von uns anders. Das liegt daran, dass wir das, was ein Mensch tut, mit dem verwechseln, was wir sind.

 

 

 

Wir alle sind bereits spirituell, wir sind bereits okay, wir sind bereits liebenswert und wir sind in der Lage, glückliche Gefühle zu haben und uns auf Beziehungen einzulassen. Immer und zu jeder Zeit. Das ist lediglich eine Frage der Entscheidung. Entscheide dich bewusst. Bewusstsein ist, was wir sind und das ist niemals ein statischer Zustand. Bewusstsein dehnt sich aus, immer weiter. Es gibt keinen Endzustand von Bewusstsein, es ist unendlich und strebt stets nach noch mehr, ohne je im Mangel zu sein.

 

Sich selbst zu finden, was bedeutet das?

 

Es bedeutet für mich, mir meiner selbst Tag für Tag bewusster zu werden.

 

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass wir uns in einem Selbstfindungsprozess ganz schön verrennen können. Nämlich dann, wenn wir glauben, etwas mit uns sei nicht okay oder nicht liebenswert, solange wir nicht wissen, wer wir sind. Dann leben wir in einem Zustand der Selbstablehnung und Selbstverurteilung. Damit erschaffen wir unsere eigene Unzulänglichkeit, die wir ja gerade überwinden wollen. So steckte auch ich einst in einem Teufelskreis, aus dem ich nur herauskam mit Selbstliebe. Hier und jetzt und ohne Bedingungen.

 

Mich selbst so anzunehmen wie ich gerade bin, ohne etwas verbessern oder noch finden zu wollen, half mir, mich rundum wohl zu fühlen mit meinem Selbst.

 

Aus diesem liebevollen Seinszustand heraus macht es Spaß auf Entdeckungsreise zu gehen, mich meinem Inneren zuzuwenden oder neue Seiten an mir zu entdecken. Denn mein Selbst ist nicht in Stein gemeißelt, sondern wird sich täglich mehr seiner Herrlichkeit bewusst. Wir alle sind wunderbare Wesen, die sich über ihre Einzigartigkeit zum Ausdruck bringen. Das schließt zum Beispiel mit ein, dass du dich magst, egal in welchen Gefühlszustand du gerade eingetaucht bist. Bei den guten Gefühlen ist das meist kein Problem und ganz leicht. Aber es gibt ja auch die anderen…

 

Auch unangenehme Gefühle einfach da sein lassen.

 

Du fühlst vielleicht Traurigkeit, oder Neid, oder Wut, oder Eifersucht. Okay!! Dies ist ein gutes Zeichen, denn du hast jetzt die Chance, dich dir selbst zuzuwenden und dir wieder ein Stück näher zu kommen, indem du diesen Gefühlszustand einfach wahrnimmst, betrachtest und da sein lässt: „Ja, dieses oder jenes hat mich traurig, wütend, neidisch oder eifersüchtig gemacht.  Darauf reagiere ich also so. Das bin ich.“

 

Unsere übliche Reaktion ist hier aber,  diese Gefühle möglichst schnell wieder weghaben zu wollen. Oder gar, uns dafür abzulehnen oder zu versuchen, diese Gefühle loszuwerden, indem wir von anderen etwas fordern, sie kritisieren. Damit zeigen wir uns selbst: „Ich bin nicht okay, mich so zu fühlen ist nicht okay.“

 

Du stellst dich gegen das, was jetzt ist, gegen dich und alles, was du gerade fühlst. Das, was du finden möchtest - dich selbst, was du bist, deinen Frieden mit dir selbst - entgleitet dir so, es rückt in weite Ferne. Und das nur, weil du wegschaust, es nicht sehen oder haben willst.

 

Auch Therapeuten und Coaches kennen das, und gerade sie verlangen von sich die ewig lächelnden, glücklichen Helfer zu sein.

 

Lass das los und sag ja zu dir, so wie du gerade bist. Immer. Nur aus dieser Haltung heraus kannst du dir anschauen, wie du deine Gefühle erschaffen hast und was gerade in dir vorgeht. So kommst du deinen Glaubenssätzen näher, kannst eine neue Wahl treffen und findest dich selbst.

 

Alles Liebe

Kathrin Schmitz